„JETZ CHASCH DE REGJEERE WJEES DR PASST!“

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Artikel im Walliser Bote vom Do. 31. März 2016

Die Kirschblüte als Wunder. Ein Beamter, der durchdreht. Eine Greisin, die keine Drohung fürchtet. Ein Kind, dessen Tränen zuerst Verderben und dann Rettung bringen. Der Theaterbesuch in Grengiols führt dem Besucher eine breite Palette an Gefühlen vor Augen.

 

«Das war Dorftheater vom Feinsten», bringt es Schauspieler und Regisseur Beat Albrecht nach dem Premierenbesuch in Grengiols auf den Punkt. Obwohl das Ensemble unter der Regie von Elmar Heinen gewohntes Terrain verlies und für einmal auf Dramatik statt auf Komik setzte, überzeugte die Aufführung «Der Kirschblütenzweig» des Theatervereins Grengiola das Premierenpublikum am Ostermontag. Man war sich einig: Es hatte sich gelohnt, für einmal nicht auf die gewohnten Bauernschwänke und Komödien zu setzen.

 

Von Gut und Böse

Das Wunder des Kirschbaumes, der im Spätherbst blüht und das Wunder mitmenschlicher Nachbarschaft trotz Angst und Gewalt: Darum kreisen die sieben Szenen der dramatischen Legende von Mandarin Yang Kung San. Dieser liess den Sänftenträger Feng köpfen, weil er den Mandarin mit Seinesgleichen verglich. Das Volk und die Dorfweise Sing Sang Schi wollen trotz Todesdrohungen des Mandarins den Namen desjenigen nicht herausrücken, der einen blühenden Zweig auf das Grab des enthaupteten Feng legte. Das Geschehen droht in einem fürchterlichen Blutbad zu enden, bis eine unerwartete Wendung an den grausamen Prinzipien des Mandarins zu rütteln beginnt.

 

Wortgewaltige Dialoge

Das Stück wurde von Pfarrer Eduard Imhof wortgewaltig in den Grengjer Dialekt übersetzt. Gelungen ist dabei auch die Idee, den Mandarin Hochdeutsch redend von Kulis, Fischern und Bauern abzuheben. Seine Gegenspielerin Sing Sang Schi hingegen bietet ihm in reinstem Grengjerdialekt die Stirn. Und wenn die Dorfbewohner versuchen, einen Kirschbaum im Spätherbst mit ihren Tränen zum Blühen zu bringen, kehrt die Komik auf die Grengjer Bühne zurück.

 

Eigene Grenzen ausloten

Der Bühnenaufbau ist gelungen. Das Bühnenbild vereint einen reich verzierten Thronsaal, einen Garten und eine armselige Bauernhütte. Die einzelnen Szenen wechseln dabei den Schauplatz, ohne dass sich der Vorhang schliesst. Auch wenn sich der Theaterverein Grengiola mit dieser Inszenierung an der Grenze dessen bewegt, was ein kleines Dorftheater auf die Bühne bringen kann, gleitet die Inszenierung nie ins Unwahrscheinliche oder gar Lächerliche ab. Regisseur Elmar Heinen: «Wir sind uns bewusst, dass wir als Laientruppe mit solchen Themen auf dünnem Eis unterwegs sind. Aber ist es nicht auch Aufgabe des Theaters, das gesamte Ensemble an seine  Grenzen heranzuführen?» Bis Mitte April bietet sich noch fünf Mal die Gelegenheit den «Kirchblütenzweig» auf der Bühne Grengiols zu sehen.

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