„SOLL ICH EUCH ALLE KÖPFEN LASSEN?“

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Artikel Rhonezeitung RZ 18.03.2016

Das ewige Ringen zwischen Gut und Böse, zwischen Barmherzigkeit und Brutalität: Darum dreht sich das neuste Theater des TV Grengiola «Der Kirschblütenzweig», das am Ostermontag in Grengiols Premiere feiert.

Die hundertjährige Theatertradition in Grengiols erhält ein neues Kapitel. «Wir haben immer reine Komödien aufgeführt. Für einmal wollen wir aber neuere Wege beschreiten», erklärt Regisseur Elmar Heinen. Zwar enthalte «Der Kirschblütenzweig» dank der Dialektfassung von Pfarrer Eduard Imhof viele komische Momente. «Aber im Grunde ist es eine Geschichte, die ans Herz gehen und die Zuschauer berühren wird», so Heinen.

 

Selten aufgeführt

Das Wunder des Kirschbaumes, der im Spätherbst blüht und das Wunder mitmenschlicher Nachbarschaft trotz Angst und Gewalt: Darum kreisen die sieben Szenen der Geschichte des Mandarins Yang Kung San. Dieser lässt den Sänftenträger Feng köpfen, weil er den Mandarin mit dem normalen Volk vergleicht. Dieses Volk und die Dorfweise Sing Sang Schi wollen bei allen Drohungen des Mandarins den Namen desjenigen nicht herausrücken, der trotz Spätherbst einen blühenden Kirschzweig auf Sarg und Grab des enthaupteten Feng legte. Das Geschehen droht in einem fürchterlichen Blutbad zu enden. Lässt sich der grausame Mandarin von Weisheit und Wunderkraft überwältigen und zur Einsicht überreden?

 

Pfarrer Imhofs Sprachkomik

«Der Kirschblütenzweig wurde 1953 vom Österreicher Friedrich Feld als dramatische Legende verfasst und kam meines Wissens nur selten zur Aufführung», erklärt Eduard Imhof, der das Drama in Grengjer Dialekt übersetzte. «Schade, denn das Stück verbindet Tragik und Drama mit einer ureigenen Komik und der Aussage, dass dem Guten immer Wege offenstehen, um sich durchzusetzen.» Zudem verpasste Imhof dem Stück zusätzliche lustige Elemente mit der ihm eigenen Sprache. Der Mandarin spricht nur Hochdeutsch, um sich vom gemeinen Volk abzuheben. Sein Diener versucht dasselbe mit wenig Erfolg. Und die Szene, in der die Dorfbewohner versuchen, eine Träne für den Mandarin hervorzupressen, ist bei aller Tragik an Komik kaum zu überbieten.

 

Eine Grenzerfahrung

«Das Stück geht für unsere Bühne neue Wege», erklärt Vereinspräsident Waldemar Schön. «Gerade für die Hauptdarsteller ist es auch in Sachen Schauspiel eine Erfahrung, die uns an die Grenzen unseres vermeintlichen Könnens führt.» Man sei gespannt, wie das Publikum auf die neuen Töne von der Grengjer Bühne reagieren werde, so Schön. «Trotzdem können sich die Besucher darauf verlassen, bestens unterhalten zu werden. Denn diesbezüglich haben wir einen Ruf zu verlieren, den wir gerne behalten würden.» Die Premiere mit gratis Theaterapero findet traditionell am Ostermontag um 20 Uhr in der alten Turnhalle von Grengiols statt. Bis zum 17. April folgen freitags und sonntags noch fünf weitere Vorstellungen. Infos und Reservation: www.theaterverein-grengiola.ch

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