„MACH DOCH NICHT SO EIN THEATER!“

 

Artikel in der Rhonezeitung RZ im April 2014

Eine Prise Wahnsinn, mächtig Leidenschaft, ein gesundes Mass an Selbstvertrauen und viel Arbeit: Das steckt hinter einem Laientheater. Zur Zeit grassiert das Theatervirus in Grengiols.

 

Nachweislich 1854 wurde in Grengiols erstmals Theater gespielt. 1500 Zuschauer sollen damals zu Fuss, zu Pferd und zu Kutsche ein Freilichtspektakel besucht haben. 160 Jahre später lebt dort die Tradition der Bühne mit dem Theaterverein Grengiola weiter. Ein kleiner Saal, eine feine Bühne und ein paar Angefressene, denen kein Aufwand zu gross ist, Worte auf der Bühne zum Leben zu erwecken.

 

„Es ist eigenartig“, erklärt Vereinspräsidentin Ursula Schmidt. „Man weiss genau, dass man sich zu viel vornimmt und dass neben dem Theater eigentlich alles andere liegen bleibt. Trotzdem macht man es immer wieder.“ Alle Erfahrenen in der Runde nicken. Die Frischlinge lächeln etwas scheu. Stundenlang Text lernen, hundertmal den selben Satz rezitieren, fünfzigmal die Position auf der Bühne verändern, den Tonfall anpassen, ein dutzend verschiedene Lachen ausprobieren, fünfmal anders weinen – und das alles in einem Satz, der das Publikum berühren, erschüttern, erschrecken oder zum Lachen bringen soll.

 

Hinter der Bühne wird’s während der Proben manchmal laut. Auf der Bühne wird gelacht und geflucht. Vor der Bühne rauft sich Regisseur und Theaterverrückter Elmar Heinen mehr als einmal die Haare – um dann trotzdem ganz ruhig zum hundertsten Mal zu sagen: „Text, ihr müsst am Text arbeiten!“ Seit Jahrzehnten ist er eine der treibenden Kräfte beim Grengjer Theater. „Es ist wirklich eine Leidenschaft, ob ich nun Regie führe oder selber auf der Bühne stehe. Dieser Moment des Vorhangs, der aufgeht und eine neue Welt entstehen lässt, ist unbeschreiblich.“

 

Das Erstaunliche: In Grengiols scheint das Reservoir an Nachwuchsleuten nicht auszugehen. Junge lassen sich vom Theatervirus anstecken und machen mit – vor und hinter der Bühne. Samuel Zumthurm, der seine erste Hauptrolle spielt: „Natürlich ist es viel Text und es braucht viel Zeit. Aber mit jeder Probe auf der Bühne merkt man, wie die Geschichte einem in Fleisch und Blut übergeht. Diese Entwicklung zu erleben, rechtfertigt den Aufwand allemal.“

 

Und wenn am Ostermontag die Premiere ansteht? Dann werden einige hinter der Bühne herumtigern, andere werden scheinbar ruhig dasitzen, andere werden an den Fingernägeln kauen. Bis das Licht an- und der Vorhang aufgeht. Dann ist alles vergessen – ausser das Zusammenspiel auf der Bühne.

 

Die Fakten

Rund zwei Dutzend Leute sind für das Theater in Grengiols im Einsatz. Rund 40 Proben mit mehr als 800 Mannstunden stecken im Theater, 150 Mannstunden werden in Bühnenbau und Licht geleistet. Wie lange Texte gedrillt werden, bleibt im Dunkeln. Und das alles, um rund 160 Zuschauer pro Aufführung an sechs Spieltagen zu begeistern. Premiere ist am Ostermontag. Mehr Infos gibt es unter www.theaterverein-grengiola.ch.

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