„DIE WAHREN KÖNIGE SCHAUEN INS TAL AUF SELBSTERNANNTE KÖNIGE“

Beat Albrecht aus Mörel war der Erste in der Region, der den Schritt als Profi auf die Bühnen dieser Welt gewagt hat. Heute ist er pensioniert, arbeitet aber nach wie vor als Sprecher und als Regisseur. Er wirft einen Blick auf das Oberwalliser Theaterschaffen.

 

Warst du vor deiner Karriere als Schauspieler auch Laiendarsteller?

Ja, natürlich war ich Laiendarsteller. Zuerst auf der Tunetschalp mit de Imeschja und de Zurschmittini. Da waren wir etwa zehn bis fünfzehn Jahre alt. Wir haben Alpgenossenschaftler gespielt: Ds Härdu Nazi, ds Lori, ds Pöjli und wie die alle hiessen. Später hab ich in Mörel unter der Regie von Leopold Ritz gespielt und dort meine Liebe zum Theater entdeckt. Mit 23 Jahren ging ich auf die Schauspielschule um meinen Traum von der Bühne Realität werden zu lassen. Und er wurde wahr. Denn ich hatte grosses Glück, meinen Beruf als Schauspieler immer ausüben zu dürfen. Zudem hatte ich die Möglichkeit, immer mit sehr guten Regisseuren und Schauspielern arbeiten zu dürfen.

 

Der Wechsel auf die Profibühne: Wie hast du den damals empfunden?

Das war natürlich nicht ganz einfach, weil man seine Vorstellungen von der „grossen Bühne“ auch etwas revidieren und anpassen muss. Zudem war ich sehr schüchtern, was dem Ganzen auf den ersten Blick auch nicht unbedingt entgegenkam. Aber die Liebe zum Theater war stark und ist es bis heute geblieben!

 

Zur damaligen Zeit Schauspieler zu werden hatte wenig seriöses an sich. Wie reagierte das Umfeld?

Was heisst: „hatte wenig Seriöses an sich“? Ich höre auch heute noch immer wieder Sätze wie „meine Kinder sollen was Anständiges lernen!“ Und damit ist sicherlich nicht die Schauspielerei gemeint. Aber da muss man durch, um seinen Traum von der Bühne lebe zu können. Ich sehe das auch als einen Teil „Lebensschule“ an.

 

Wie wird Kulturarbeit „entlöhnt“?

Wenn die Kulturschaffenden –die meisten haben heute ja einen Hochschulabschluss- wie ein Mittelschullehrer entlöhnt werden müssten…..ich weiss nicht…..ob Kulturarbeit noch als „NÖTIG“ empfunden würde.

 

Wie bewertest du als Profischauspieler die Bedeutung der Laienbühnen?

Die Laienbühnen haben auch für mich einen unschätzbaren Wert. Viele sehr gute Schauspieler haben ihre Sporen beim Laientheater abverdient. Hier im Wallis sind durch professionelle Ausbildner und professionelle Regisseure auch Fortschritte erzielt worden. Man kann hier ohne weiteres von Amateurtheater reden.

 

Wo liegen in deinen Augen die grössten Unterschiede zwischen Laiendarstellern und Profis?

Wenn ich von seriösen Profis ausgehe, denn es gibt ja auch solche, die sich nur dafür halten, so ist es die Beherrschung des Handwerks als Schauspieler. Auf der Laienbühne bringt man nur sein mehr oder weniger entwickeltes oder vorhandenes Talent mit und arbeitet damit, ohne auf das handwerkliche Wissen eines ausgebildeten Schauspielers zurückgreifen zu können.

 

Und wo gibt es Parallelen?

Die liegen darin, was dem Theater zu Grunde liegen sollte: In der Fantasie, in der Liebe zu den Mitmenschen, im politischen Interesse aber auch im Interesse an der Literatur.

 

Tust du dir als Profi die Laienbühnen als Zuschauer überhaupt an?

„Ich tue es mir nicht an“, ich gehe gerne in die Dorftheater und die Laien- Amateur-Theater. Einige habe ich richtig lieb gewonnen. Es ist auch für mich als Profi ein Erlebnis, eine gut gemachte Laiendarstellung anzuschauen.

 

Was ist für dich die grösste Schwierigkeit, wenn du als Profi mit Laien zusammenarbeitest?

Ich arbeite oft und gern mit Laien. Die Meisten sind sehr fleissig und haben grosse Freude am Spiel und sind sehr kreativ. Zudem sind viele auch bereit, Tipps von mir als Profi anzunehmen und das Handwerk zu lernen. Das Problem sind aber die „Selbstüberschätzer“, von denen es nicht wenige gibt! Sie sind nicht kritikfähig, wollen nichts dazulernen und halten sich für sehr gut, wie sie sind. Leider! Sie zerstören damit dieses wunderbare Kulturgut!

 

Das Oberwallis ist voll von Laientheater. Ist dies in der Schweiz eine Ausnahme oder ist das überall so?

Diese Frage kann ich nicht genau beantworten, ich kenne nicht alle Regionen.
Aber laut Medien und Theaterzeitschriften ist das Laientheater in der ganzen Schweiz sehr beliebt.

 

Wie gut oder wie schlecht sind die Laientheater im Oberwallis?

Viele kenne ich. Das Niveau ist recht hoch. Die Ansprüche sind unterschiedlich. Es gibt Theater, die spielen so zum Plausch –was natürlich seine Berechtigung hat. Dann gibt es Theater, die wollen Laien-Theater machen. Andere wiederum haben professionelle Ansprüche. Die Letzteren sind aber nicht immer die Besten. Die wahren Könige schauen ins Tal auf die selbsternannten Hirsche!

 

Sollte sich Dorftheater wie in Grengiols mit einfachen Schwänken begnügen oder sollte man sich auch an schwierigere Themen wagen?

Im Oberwallis gibt es ja einige Bühnen, die „Literatur-Theater“ machen. Ich finde es richtig, dass man den Schwank, das Lustspiel auch bewusst pflegt. Übrigens: Schwänke spielen ist eine ganz grosse Kunst. Sie können „Übungsstücke“ für „Literatur-Theater“ sein.

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